Impulse

Angedacht

Wenn der Mensch zu essen und zu trinken hat und genießen kann, was er sich erarbeitet hat, dann verdankt er das der Güte Gottes.                                                           Kohelet 3 | 13

Alles hat seine Zeit, stellte DER PREDIGER (Kohelet) fest. Man kann sich abmühen wie man will, letztlich kann man sowieso nicht ergründen, warum manches gut gelaufen ist und anderes schief. Man kann sein Leben planen. Aber erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Es macht also wenig Sinn, sein Glück in die Zukunft verlagern zu wollen. Wer sich immerzu das Leben vorstellt, wie es werden könnte, sollte schnell damit beginnen, zu schmecken, zu sehen, zu riechen, zu berühren und die Gegenwart anzunehmen.

Sicher gibt es in einem Leben auch Durststrecken. Da muss man durch und in ein paar Jahren sieht alles ganz anders, wieder viel besser aus. Das kann in schweren Zeiten zur Hoffnung werden. Aber nicht immer geht diese Rechnung auf. Die Vorstellung, dass man heute arbeitet, damit man später genießen kann, kann schiefgehen. Das Leben zu genießen, gehört traditionell nicht zu den herausragenden christlichen Tugenden. Wer von biblischen Werten geprägt ist, denkt oft eher ans Teilen und Verzichten. Ja, es gibt Christinnen und Christen, die in ihrer Vergnügungssucht gefangen sind. Wahrscheinlich gibt es unter uns jedoch mehr, die sich in ihrer Sucht, lieber zu verzichten, damit andere es gut haben, gefallen.

Wer in seinem Leben auf dieser Welt die Güte Gottes feiert, kann dankbar genießen, so gut, wie es eben geht. Dabei sind weder dekadente Promis ein Vorbild noch das „Elendsviertel“ des eigenen schlechten Gewissens. Was ich habe, verdanke ich nämlich der Güte Gottes und der eigenen Arbeit! Ganz unbefangen sind wir heute aber nicht mehr. Unser Genießen in Deutschland wird ja erst möglich, weil Menschen an anderen Orten der Welt unter Bedingungen arbeiten, die wir zu Recht für uns als unzumutbar ansehen. Warum muten wir sie dann anderen zu? Ohne dies zu vergessen, soll der Fromme und Weise nach Ansicht Kohelets nach Wegen suchen, es sich dankbar so richtig gut gehen zu lassen.

Man muss es sich nur immer vor Augen halten, wem man es verdankt: Der Güte Gottes und oft der Arbeit anderer Menschen. 

Herzliche Grüße
Pastor Matthias Zehrer

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